Gin – Geschichte, Herstellung und berühmte Vertreter

Gin ist heute aus der Welt der Cocktails kaum mehr wegzudenken. Ob klassisch im Gin Tonic oder als Basis im Martini – die klare Spirituose mit ihrer charakteristischen Wacholdernote hat eine lange, bewegte Geschichte und erlebt seit Jahren ein regelrechtes Revival.

Herkunft und Geschichte

  • Anfänge in den Niederlanden
    Im 17. Jahrhundert entwickelten niederländische Ärzte einen „Genever“, eine Spirituose mit Wacholder, die ursprünglich als Heilmittel gegen Magenbeschwerden gedacht war.

  • Verbreitung in England
    Englische Soldaten lernten Genever während der Kriege kennen und brachten ihn nach Hause. Dort entwickelte sich der London Dry Gin, trockener, klarer und stärker auf Wacholder ausgerichtet. Im 18. Jahrhundert kam es zur sogenannten „Gin Craze“ in London, als Gin massenhaft produziert und konsumiert wurde.

  • Moderne Entwicklung
    Heute gibt es klassische London Dry Gins, aber auch experimentelle „New Western Gins“, bei denen Zitrus, Gurke, Lavendel oder exotische Gewürze in den Vordergrund treten.

Produktionsverfahren

  1. Grundalkohol
    Neutralalkohol (meist aus Getreide wie Weizen oder Gerste).

  2. Botanicals
    Neben Wacholder (zwingend erforderlich) kommen je nach Rezept Zitronenschale, Koriandersamen, Angelikawurzel, Kardamom, Gurke oder exotische Kräuter hinzu.

  3. Herstellungsarten

    • London Dry Gin: Destillation mit natürlichen Botanicals, kein Zuckerzusatz erlaubt.

    • Distilled Gin: Botanicals werden während der Destillation zugesetzt, leichte Aromatisierung nachträglich möglich.

    • Compound Gin: Alkohol wird mit Aromen versetzt, ohne erneute Destillation – die einfachste, aber weniger hochwertige Methode.

Berühmte Markenvertreter

  • Beefeater (England) – Klassischer London Dry Gin, seit 1863.

  • Bombay Sapphire (England) – Bekannt für die markante blaue Flasche und den Einsatz von 10 Botanicals.

  • Tanqueray (England) – Einer der traditionsreichsten Gins, sehr wacholderbetont.

  • Hendrick’s (Schottland) – New Western Gin, berühmt für die Verwendung von Gurke und Rosenblättern.

  • Monkey 47 (Deutschland) – Schwarzwald-Gin mit 47 Botanicals, weltweiter Kultstatus.

Bekannte Gin-Freunde

  • Winston Churchill – Der britische Premierminister war berühmt für seine Liebe zum Gin Tonic, den er als lebensnotwendig bezeichnete.

  • Ernest Hemingway – Der Schriftsteller genoss Gin-Cocktails wie den Martini und machte sie in seinen Werken unsterblich.

  • Queen Mother (Elizabeth Bowes-Lyon) – Mutter von Queen Elizabeth II., bekannt für ihren täglichen Gin-Drink am Nachmittag.

  • Ian Fleming – Der James-Bond-Autor machte mit seinem „Vesper Martini“ Gin zur Ikone in der Popkultur.

Winston Churchill soll gesagt haben:
„The gin and tonic has saved more Englishmen’s lives, and minds, than all the doctors in the Empire.“

Fun Fact

Der Gin Tonic entstand im 19. Jahrhundert in Indien: Britische Kolonialtruppen tranken Chinin-haltiges Tonic Water als Malariaprophylaxe – der bittere Geschmack wurde mit Gin gemischt und so entstand der legendäre Longdrink.